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Zum Tod von Günter Reinhart

Günter Reinhart (28.7.1944 – 25.1.2021)

Am 25. Januar 2021 verstarb überraschend das Mitglied des Kuratoriums der Landesstiftung ‚Humanismus heute‘ Ministerialrat a. D. Günter Reinhart.

Günter Reinhart war nach dem Studium der Klassischen Philologie zunächst als Gymnasiallehrer für Alte Sprachen tätig. Am 1. Juli 1979 wurde er zur Wahrnehmung der Aufgaben eines Referenten für Alte Sprachen an das Kultusministerium abgeordnet. Am 1. Mai 1986 erfolgte dann die Versetzung an das Kultusministerium. Ende 1988 wurde er zum stellvertretenden Leiter des Referats Gymnasien, am 1. Februar 1997 zum Leiter des Referats 45 (heute 37) „Allgemein bildende Gymnasien, Institute zur Erlangung der Hochschulreife“ bestellt. Mit Ablauf des Monats Juli 2009 trat er in den gesetzlichen Ruhestand ein. Als Pensionär setzte er sich als Kuratoriumsmitglied der Landesstiftung, um die er sich in seiner Amtszeit große Verdienste erworben hatte, unermüdlich für die Belange der Alten Sprachen ein.

Günter Reinhart lag in seiner Tätigkeit am Ministerium das Wohl der Alten Sprachen am Herzen. In meiner Zeit als Vorsitzender des Altphilologenverbandes Baden-Württemberg (2001-2011) lernte ich ihn als engagierten Verfechter der Werte einer humanistischen Bildung kennen und schätzen. Er war der Überzeugung, dass gerade in heutigen Zeiten, in denen die Alten Sprachen immer wieder an Schulen und Universitäten um ihre Akzeptanz kämpfen müssen, ein enger Kontakt zwischen Gymnasien und Universitäten überlebenswichtig ist. In den zahlreichen, von ihm organisierten Weiterbildungsveranstaltungen führte er Kolleginnen und Kollegen aus dem gymnasialen und universitären Bereich zusammen. Bei solch einem Anlass, bei einer Weiterbildungsveranstaltung im Mai 1993 zum sophokleischen Philoktet, lernten wir uns kennen, und der Kontakt verstärkte sich nach meiner Berufung nach Freiburg im April 1997 und führte zu vielen gemeinsamen Projekten. 

Mit besonderem Einsatz kümmerte sich Günter Reinhart um die Sommerakademien für Alte Sprachen, die zunächst in Gaienhofen ihre Heimat hatten und nun seit einigen Jahren am Salem College in Überlingen stattfinden. Maßgeblich prägte er organisatorisch, vor allem intellektuell diese alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltungen. Mit ebenso großem Engagement war er in der ‚Salemer Runde‘ als Juror und Ideengeber des Wettbewerbs ‚Alte Sprachen‘ der Landesstiftung tätig.

Günter Reinhart war überzeugter Philhellene. Legendär sind seine Exkursionen in den griechisch-römischen Kulturraum, die er schon in seiner Amtszeit, dann aber vor allem als Pensionär organisierte. Die von ihm verfassten Reader in der Zusammenschau von archäologischen, historischen und philologisch-literarischen Aspekten genügen höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen. Ich benutzte sie regelmäßig als grundlegende Einstiegslektüre bei der Vorbereitung von studentischen Exkursionen.

Günter Reinhart war stets an der philologischen Forschung interessiert. Noch am 26. Dezember 2020 hatten wir per E-Mail ein ‚Gespräch‘ über die griechische Rhetorik, und wir hatten ins Auge gefasst, im neuen Jahr dies am Telefon zu vertiefen. In der letzten Zeile dieser Mail verleiht er seiner Vorfreude darauf Ausdruck, dass „wir uns bald im Colombi wieder versammeln können“. Dazu ist es nun leider nicht mehr gekommen.

Die Landesstiftung ‚Humanismus heute‘ wird Günter Reinhart ein ehrendes Gedenken bewahren.

Prof. Dr. Dr. h.c. Bernhard Zimmermann
                        Geschäftsführender Vorstand

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